2017 - Zypern

Das JugendJazzOrchester NRW absol­vier­te mit einem Kurztrip vom 17.-20. Dezember 2017 nach Zypern seine 40. Auslandsreise; ein­ge­la­den hatte die Deutsche Botschaft in Nikosia.

Check in am Flughafen Düsseldorf um 06:00 Uhr, die Außentemperaturen lie­gen um den Gefrierpunkt. In München muss das Flugzeug vor der Weiterreise nach Zypern ent­eist wer­den. Nach rd. 3 Stunden Flugzeit lan­det das Orchester in Larnaka, der dritt­größ­ten Stadt und nach Limassol der wich­tig­ste Hafen des grie­chi­schen Landesteils. Der Flughafen der zypri­schen Hauptstadt Nikosia kann seit der tür­ki­schen Invasion im Juli 1974 nicht mehr ange­flo­gen wer­den; er liegt in der Pufferzone ent­lang der Waffenstillstandslinie. Verhandlungen um die Wiedereröffnung sind bis­lang geschei­tert.

Bei der Ankunft ist die Sonne ist bereits unter­ge­gan­gen, noch zeigt das Thermometer 20 Grad. Der Busshuttle nach Nikosia dau­ert eine halbe Stunde. Im Hotel ange­kom­men bleibt nur wenig Zeit zum Umziehen. Schon ste­hen die Busse bereit, um die Band in die Residenz des Botschafters brin­gen. Kontrabass, Keyboard, Verstärker und Schlagzeug sind vor Ort aus­ge­lie­hen und ste­hen fort­an zu jedem Auftritt zur Verfügung. Geladen sind u.a. Gäste ande­rer Auslandsvertretungen. Eine Combo des JJO NRW spielt mit wech­seln­den Besetzungen, das Publikum applau­diert begei­stert, Bundespräsident Steinmeier schaut von einem Wandportrait amü­siert auf das Geschehen.

Am Montag, 18. Dezember, steht ein Rundgang durch die Altstadt Nikosias auf dem Programm. Dazu ver­ab­re­det man sich in mit einem Reiseführer, der die Band in der sog. „buf­fer zone“ emp­fängt , einer Art Niemannsland zwi­schen dem grie­chi­schen und tür­ki­schen Teil Nikosias, der letz­ten geteil­ten Hauptstadt Europas. Hier schu­fen die UN-Friedentruppen vor rd. 40 Jahren ein men­schen­lee­res Grenzgebiet, in dem Hinterlassenschaften aus den Siebziger Jahren ver­stau­ben. 1974 stürz­ten die in Athen herr­schen­den Generäle den zyprio­ti­schen Präsidenten Makarios. Das wurde von der tür­ki­schen Regierung zum Anlass genom­men, in Nordzypern ein­zu­mar­schie­ren, die dort ansäs­si­gen Griechen in den Süden zu ver­trei­ben. Nikosia wurde in der Mitte zer­schnit­ten - mit Barrikaden und einer Mauer, zer­stör­ten Häusern und Wachtürmen, kon­trol­liert von der Uno. Zurück im grie­chi­schen Teil der Stadt spürt man deut­lich euro­päi­schen Einfluss. Hier gilt der Euro, und obwohl der öst­li­che Zipfel der Insel nur 100 Kilometer von der syri­schen Küste ent­fernt liegt, füh­len sich die grie­chi­schen Zyprioten deut­lich näher an Brüssel.

Sarah’s Jazz Club, male­risch gele­gen inmit­ten der Altstadt, bie­tet die Bühne für das Konzert der Band am Abend. Er wurde 2015 von der lan­des­weit bekann­ten Jazzsängerin Sarah Fenwick gegrün­det, die sich ins­be­son­de­re für den Austausch mit der Europäischen Jazzszene ein­setzt. Das Interieur erin­nert ein wenig an die Ausstattung Berliner Clubs in den Zwanzigern; gemüt­li­che Atmosphäre, das Konzert ist aus­ver­kauft. Der Auftritt in der Botschafterresidenz hat sich her­um­ge­spro­chen. Viele Gäste vom Abend zuvor sind erneut gekom­men, dar­un­ter auch die Botschafter Australiens, Spaniens und Israels. Stefan Pfeifer-Galilea lei­tet die Band mit viel Einsatz, zwei Zugaben gibt es oben­drauf.

Für den Dienstag hat die Botschaft einen Tagesausflug nach Larnaka organ­siert. Vor den Toren der Stadt erblickt man einen Salzsee, an dem sich Flamingos nie­der­ge­las­sen haben. Am Ufer ragt die Moschee Hala Sultan Tekke her­vor, die wich­tig­ste mus­li­mi­sche Wallfahrtstätte Zyperns. Das 1625 von den Türken erbau­te Hafenkastell ist die Perle in der Uferfront Larnakas, eben­so die Kirche des hl. Lazarus, eine der älte­sten der Hafenstadt. Die Band erkun­det eigen­stän­dig das Zentrum, mit goog­le map und off­line-Karten auf ihren Smartphones ein leich­tes Unterfangen.

Zurück in Nikosia begin­nen die Vorbereitungen für das Konzert am Abend. Die Verkaufshalle des „Old Municipal Market of Nicosia“ wird als Spielort her­ge­rich­tet. Wo sonst Gemüse und Obst ange­bo­ten wer­den, soll nun ein Auftritt des Orchesters im Rahmen des jähr­lich wie­der­keh­ren­den „Nicosia Pop Up Festival“ statt­fin­den. Diese Veranstaltung hat zum Ziel, krea­ti­ve Menschen unter­schied­li­cher Genres im histo­ri­schen Zentrum der zypri­schen Hauptstadt zusam­men­zu­brin­gen, um die Altstadt lang­fri­stig zu bele­ben. Betonpfeiler in der Halle erschwe­ren eine ange­mes­se­ne Beschallung. Der Toningenieur der Band muss mit all sei­ner Erfahrung frü­he­rer Auslandstouren impro­vi­sie­ren. Am Ende steht ein brauch­ba­rer Sound. Im Laufe des Konzerts kom­men immer mehr Zuhörer, die eher zufäl­lig über den Marktplatz fla­nie­ren und den Big Bandklängen nach­ge­hen. Auch der Deutsche Botschafter ist anwe­send. Gemeinsam eru­iert man Möglichkeiten, das JJO NRW mit ent­spre­chend län­ge­rem Planungsvorlauf künf­tig auch in ande­ren Städten Zyperns auf­tre­ten zu las­sen. Hierbei spielt die Option, gemein­sam Konzerte mit Ensembles und Orchestern des Gastlandes zu rea­li­sie­ren, eine wich­ti­ge Rolle.

Donnerstag, der 20. Dezember, ist Abreisetag. Nach einem letz­ten Rundgang durch die Altstadt geht es zum Flughafen in Larnaka. Der Check in ver­läuft zügig, Verstärker und Schlagzeug wur­den wg. dro­hen­der Übergepäckgebühren zu Hause gelas­sen. Im Duty free-Bereich beschallt ein Saxophonist mit Playback und viel Hall die Verkaufsflächen. Trompeter Stephan Geiger und Posaunist Tobias Link stel­len sich spon­tan hinzu und berei­chern die Darbietung mit jaz­zi­gen Improvisationen. Verkäuferinnen der umlie­gen­den Geschäfte eilen her­bei und bele­ben die Szene mit Tanzeinlagen. Das Begleitpersonal im Flugzeug regi­striert schnell, dass hier ein jun­ges Orchester mit­reist. Eine Stewardess wünscht sich eine klei­ne musi­ka­li­sche Einlage nach der Landung in München. Diesem Wunsch wird ent­spro­chen; die Stimmung an Bord, sonst eher gedämpft, ver­bes­sert sich deut­lich. Das Wetter auf dem Flugfeld wie­der win­ter­lich kalt, man wird sich umstel­len müs­sen.

Für das Zustandekommen der Reise dankt das Orchester ins­be­son­de­re fol­gen­den Personen:
SE Botschafter Josef Kremp, den Mitarbeiterinnen der Abteilung für Kultur und Protokoll der Deutschen Botschaft Nikosia, Frau Makrina Amanatidou und Frau Eleni Antoniou.